Kommentar zum SZ-Leitartikel vom 5. Juni: Weniger Netto vom Brutto
An Bildung und Forschung soll und darf nicht gespart werden, denn das
hieße unsere Zukunft verbauen. Zu Bildung und Forschung scheinen nach
Ansicht der Redakteurin auch Krippenplätze zu zählen. Sie geht davon
aus, dass Kinder unter 3 Jahren nur außerhalb des Elternhauses
"gebildet" würden. Dabei verkennt sie, dass eine gelungene
frühkindliche B i n d u n g an die pflegende Person erst die
Voraussetzung dafür schafft, dass Kinder lernen wollen. Sicher
gebundene Kinder müssen sich nicht ständig absichern, sie sind frei.
Ihre Sinne, ihr Intellekt kann sich mit Interesse den Dingen zuwenden.
Forschergeist, Geduld und Ausdauer können sich entfalten, alles Früchte
einer liebevollen, zeitaufwendigen Zuwendung durch die Eltern. All
diese Tatsachen sind inzwischen durch Forschungen belegt und stehen
nicht mehr zur Diskussion.
Einrichtungen mit wechselndem, unzureichend ausgebildeten Personal und
unverantwortlich großen Gruppen wie bei uns in Deutschland (belegt
durch die Bertelsmann-Studie) gleichen eher einem Depot als einem Hort.
Krippenplätze so auszustatten, dass sie den Bedürfnissen von
Kleinkindern in etwa nachkommen, würde das x- fache kosten. Also wird
man sich, zum Schaden von Deutschlands Nachwuchs, weiterhin mit
Minimalaufwendungen begnügen.
Trotzdem müssen Eltern oft ihre Kleinsten in Fremdbetreuung geben, weil
das Familienbudget nicht ausreicht. Die Frage sei erlaubt: Warum reicht
das Budget einer Familie mit Kindern nur knapp oder gar nicht, das
Budget von Paaren ohne Kinder aber locker? Die Antwort ist einfach und
überall nachzulesen: Kinderlose, die doch im Alter von den Abgaben der
Kinder anderer Leute leben wollen, überlassen die Kinderkosten allein
den Eltern (pro Kind ca. 250 000 Euro) Dieses absurde Missverhältnis
haben wir unserem verkorksten Sozialgesetz zu verdanken, das
Kinderlosigkeit belohnt und Elternschaft bestraft. Arbeitnehmer ohne
Kinder müssten sich demnach entweder an den Erziehungskosten beteiligen
oder ihre Altersversorgung selbst ansparen. Der Einwand, sie zahlten
mit ihren Steuern genug, gilt nicht. Denn ein Familienvater mit Kindern
zahlt genauso viel an Abgaben wie ein Mann ohne Kinder bei gleichem
Einkommen. Nur das unrechtmäßig besteuerte Existenzminimum seiner
Kinder wird ihm als Kindergeld zurück erstattet.
Die Aufgabe heißt demnach nicht, wie kann man die Bildung von
Kindern vor Sparzwängen verschonen, sondern: Wie kann endlich
Gerechtigkeit hergestellt werden, dass junge Menschen, die - noch! -
Kinder großziehen, nicht von den Lasten erdrückt werden.
Zum Thema: Soziale Gerechtigkeit finden Sie eine Fülle von Daten bei:
www.gerechtigkeit-fuer-familien.de